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Geschrieben von Q-Flat am 11.01.2015 um 01:53:

Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Eigentlich sollten die Harleys der letzten Jahre ja, dank modernster Can-Bus-Technik, extrem diagnosefreundlich sein, sofern man (d.h. der Freundliche) über modernste Diagnosetechnik verfügt. Dass es durch die Datenvernetzung aber auch manchmal schier unmöglich werden kann, ein Problem klar einzugrenzen, zeigt der Fall einer Panne, die an meiner Switchback (EZ Mai 2013) seit August 2014 auftritt und nun – vielleicht – nach mehreren Wochen/Monaten Werkstattaufenthalt behoben ist. Ich hatte euch zu der Sache schon hier zu Hilfe gebeten, heute geht es mir um schlichte Dokumentation, vielleicht zum Nutzen anderer.

Genau genommen ist diese Panne eigentlich keine wirkliche Panne, da am Motorrad alles (augenscheinlich) perfekt funktioniert. Nun, es mag sein, dass an der Hardware irgendwo, irgendetwas in labilem Zustand ist. Als Fahrer stellt man aber nur eines fest: verschiedene Kontrollanzeigen spielen verrückt und dazugehörige Fehlercodes werden ausgelöst.

Der in der Tat sehr hilfsbereite Vertragshändler tut alles, was er kann. Aber trotz aller Kompetenz und aller Diagnosetechnik tappt er blind, Schritt für Schritt, im Dunklen voran, wie mir scheint, doch um einiges unsicherer und unbeholfener als zu Zeiten des klassischen Kabelbaums.

 

07. August 2014:

Diese Phänomene wiederholen sich in ungleichen Abständen, unabhängig von der Fahrsituation. Keine spürbare Fehlfunktion am Motorrad. Nur einmal gelingt es mir nicht, durch Drehen des Hauptschalters den Motor zu stoppen. Niemand kann sich einen klaren Zusammenhang mit dem Lenkerwechsel vorstellen.

08. August 2014:

Erste Untersuchung beim Harley-Vertragshändler. Auch er schließt einen Fehler beim Umbau des Lenkers aus, vermutet eher, dass der Lenkertausch einen bestehenden Fehler an der Elektrik aufgedeckt habe. Fehlercode U0100 und andere. Die Mechaniker stellen am Kabelbaum (Lenkkopf) eine Reibstelle fest. Sie wird isoliert.

10 August 2014:

Nach 100 km Fahrt tritt die Fehlermeldung wieder auf. Ruhe für 1500 km. Und dann, auf der Autobahn, bei konstantem Tempo und konstanter Drehzahl, ohne jeglichen Stoß, wieder die Kontrollleuchten.

 

Ende August bis Mitte September 2014:

Der Harley-Händler schlägt mir eine eingehende Prüfung der Maschine vor. Sie bleibt für drei Wochen in der Werkstatt. Ein Teil des Kabelbaums (unter dem Tank) wird ausgetauscht.  

 

02. Oktober 2014:

Nach etwa weiteren 1000 km gehen die die rote LED und die Motorkontrolleuchte erneut an (wieder Autobahn, konstante Drehzahl, ohne merklichen Stoß durch Unebenheit). Ich steuere wieder die Werkstatt an. Immer die gleichen Fehlercodes. Nach dem Auslesen ist für einige Tage Ruhe.

 

08. Oktober 2014:

Wieder gehen die gleichen Kontrollleuchten an, diesmal bei niedriger Geschwindigkeit. Man kann an den Kabeln ziehen, sie Kneten, sie stauchen. Ein gegebener Zustand „Kontrollleuchten an/Kontrollleuchten aus“ kann darüber nicht verändert werden. Wie immer gehen die Kontrollleuchten nach 2-3 Minuten von selbst aus.

 

09. Oktober 2014:

Ein kompletter Tag Diagnose beim Freundlichen. Ohne Befund.

 11. Oktober 2014:

Während eines dreimonatigen Auslandsaufentaltes überlasse ich das Motorrad dem Vertranghändler für 3 Monate. Er verspricht mir, das Problem in Zusammenarbeit mit Harley-Frankreich zu analysieren.

 

10 Januar 2015 (heute):

Nach Rücksprache mit Harley-Frankreich, hat der Vertragshändler nun den ECM, den Hauptschalter und das dazwischen liegende Kabel ausgetauscht. Mal sehen, ob mit diesen Eingriffen das letzte Kapitel dieses CAN-Bus Pannentagebuchs geschrieben wurde.

 

Alles in allem gibt mir diese Geschichte wieder einmal zu denken. Seit Monaten zerbrechen sich viele kluge, hilfreiche Menschen den Kopf, wegen ein paar Kontrollleuchten (deren Fehlverhalten allerdings beim Wiederverkaufswert des Motorrades sehr ausschlaggebend sein könnte…). Wäre das alles nicht viel einfacher und billiger mit herkömmlicher Technik? Wie auch immer, ich hoffe, mein Fall bleibt ein Einzelfall. Harley-Frankreich hielt sich zu diesem Thema, nach Angaben meines Freundlichen, bedeckt.

 

Gruss,

Uwe.


Geschrieben von silent grey am 11.01.2015 um 08:08:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Hi,

da das Teil mit Bj./EZ 2013 noch der Herstellergarantie unterliegen dürfte, und Vertragshändler trotzt mehrere Versuche gleicher (identischer) Fehleraufkommen diese auch nach der letzten Massnahme nicht gänzlich behoben sein sollten, würde ich jeden Versuch unternehmen, das Fahrzeug zurückzugeben bzw. zu wandeln.

Die einzige Schwachstelle für einen solchen Ansatz wäre der Umfang der Umbauten, da hierdurch der serienmässige Zustand nicht mehr gegeben und die Ursache des Fehlers schwer beurteilbar und einzig dem Hersteller zuzuschreiben ist.

Wenn der Freundliche ein freundlicher ist, könnte zudem der Weg beschritten werden, das Fahrzeug gegen ein neues/anderes in Zahlung zu geben. Eine sich immer wieder beweisende Redewendung lautet: Der erste Verlust ist immer der geringste.

Gruß, silent

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Geschrieben von Karl H. am 11.01.2015 um 10:06:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Die Problematik liegt in der Tatsache, dass der Fehler nur sporadisch auftritt und nicht reproduzierbar ist. In einem solchen Fall kann man nur systematisch alle am CAN-Bus hängenden Komponenten austauschen, bis der Fehler nicht mehr auftritt.

Das Kommunikationssystem des CAN-Bus in Deinem Moped sieht so aus:



Zum System gehören der zentrale Kabelbaum mit 6 CAN-Steckverbindungen und ein Zwischenkabelbaum zum Tacho (wurde bereits ausgetauscht).

Die 6 Partner in der CAN-Kommunikation,von denen jeder einen fatalen "Sprachfehler" haben kann, sind:

- ECM (Motorsteuergerät für Einspritzung und Zündung) => wurde bereits ausgetauscht

- BCM (Zentrales Fahrzeugsteuergerät)

- ABS (ABS-Steuergerät)

- Speedometer (Tacho mit Warnlämpchen und Display)

- Left/Right Hand Controls (Schaltereinheiten an der linken und rechten Armatur)

Ich drücke die Daumen, Uwe!

Gruß
Karl

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Gruß
Karl


Geschrieben von Q-Flat am 11.01.2015 um 15:24:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

11. Januar 2015

 

Es war definitiv nicht das letzte Kapitel in diesem Pannen-Tagebuch. Nach dreimonatigem Werkstattaufenthalt, ein Tag nach der Übergabe, geht nach ungefähr 30 km Fahrt wieder die rote LED der Wegfahrsperre an. Das Bike muss also zurück in die Werkstatt.

 

@ silent: Ich wundere mich selbst über meine Geduld. Wäre es ein mechanischer Schaden, für den man immer wieder den Motor öffnen müsste, empfände ich das sicher etwas anders. So betrachte ich es (noch) als ein technisches Ratespiel. Wie hier schon so oft gesagt wurde: „die Amerikaner finden schon die Lösung. Wenn sie alle anderen Möglichkeiten durchprobiert haben“. Es bleibt also Hoffnung.

Einen Anspruch auf Rücknahme durchzusetzen, stelle ich mir schwierig vor. Sollte der Ärger mit der Harley wirklich kein Ende nehmen, …kauf ich mir ’ne Honda . Dann ist Ruhe.

 

@ Karl: In Anbetracht der Lage, werde ich vielleicht darauf drängen, dass mir die restlichen „Partner der Can-Bus Kommunikation“ auf einmal gewechselt werden.

Übrigens fand ich in einem meiner Koffer den Plan den du hier gepostet hast, und noch zwei weitere, versehen mit einigen Zeichen, die auf die Arbeit der Harley-Leute schließen lassen:

 

1. Der komplette Schaltplan Dyna 2012:



2. Der spezielle Schaltplan für Lenker und Beleuchtung:



 

 

Gruß,

Uwe.


Geschrieben von FLHRCI am 11.01.2015 um 16:43:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Hi Uwe,

Du solltest jetzt in jedem Fall schriflich den bisherigen "Heilungsverlauf" dokumentieren und eine Nachfrist zur Mangelbeseitigung setzen, falls noch nicht geschehen.

Wenn‘s dann wieder nix wird, würde ich auf Wandlung bestehen.

Gruss Hans

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Gruss Hans

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Geschrieben von Q-Flat am 11.01.2015 um 18:58:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Danke, Hans, für diesen "technischen" Rat. Er gibt mir eine klare Perspektive für die nächsten Verhandlungen mit dem Dealer.

Gruss,

Uwe.


Geschrieben von nighttrainknox am 12.01.2015 um 11:23:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Hi,

Wandlung, das war mein erster Gedanke, nachdem ich Deine Zeilen las, Rolf.

Da würde ich mich auf gar nichts einlassen. Das Moped stand ja seit August mehr beim Dealer, als bei Dir🤪

Gruß

Steffen


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Gruß

Steffen


Geschrieben von *KW* am 12.01.2015 um 11:53:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Servus, 

ich seh das auch so, vieleicht drohst du das mal an, auch um keine Fristen zu versäumen.

Einem Kumpel von mir gings mit seiner Buell so.

Die Karre lief wie der sprichwörtliche Sack Nüsse, und ging immer wieder mal in voller Fahrt aus.

Nachdem das rumgeschraube des Frdl. nicht fruchtete, kam der Vorschlag der Wandlung vom Frdl selbst.

Der Spezi kriegte ein neues Bike, das machte keine Zicken und lief super.

Gruss KW


Geschrieben von Depressiver am 12.01.2015 um 12:01:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Hallo Uwe,

wieder einmal eine super Dokumentation, auch wenn es eine Pannendoku ist oder wie auch immer, stehengeblieben bist du ja nicht.

Sollte jemals ein Fehler zu finden sein, gib doch Bitte Bescheid, für mich als Switchbackfahrer könnte dein Wissen von Vorteil sein.;o))

Dann Wünsche ich dir eine Pannenfreie Saison 2015.

Grüßle von der Alb.

Klaus


Geschrieben von silent grey am 12.01.2015 um 14:30:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne


Q-Flat:





... Sollte der Ärger mit der Harley wirklich kein Ende nehmen, …kauf ich mir ’ne Honda ...
Hi,

nee, lass das mal bleiben. Wenn das Kaufen von  Hondas so ausartet wie mit den Harleys, sieht man die dann auch wieder an jeder Ecke, das tut wirklich nicht not

Gruß, silent

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Geschrieben von Karl H. am 13.01.2015 um 18:22:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Habe das Thema mal mit den Spezialisten meines Brötchengebers diskutiert. Sowas kommt natürlich auch bei Autos vor. Das Vorgehen ist wie folgt: Wenn der Fehler nur sporadisch auftritt, also in der Werkstatt nicht reproduzierbar ist, wird dem Kunden ein Datenlogger (klein wie eine Zigarettenschachtel) eingebaut. Das Kistchen kann z.B. an die Diagnosebuchse angeschlossen werden und zeichnet die Kommunikation auf dem CAN-Bus kontinuierlich auf. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange es dauert, bis das Fehlerereignis eintritt. Der vorhandene Speicher wird nämlich immer wieder überschrieben, solange nichts passiert. Erst wenn der erwartete Fehlercode auftaucht, werden die letzten 30 Sekunden der CAN-Kommunikation fest abgespeichert. Die Experten lesen die Daten dann aus und können den "Übeltäter" zuverlässig überführen.

Keine Ahnung, ob eine Harley-Werkstatt das kann. Sollte sie aber schnellstens lernen...

Gruß
Karl

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Karl


Geschrieben von *KW* am 13.01.2015 um 19:45:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Servus, 

das weiss ich auch nicht, ich nehms aber an, weil mein Diagnosesystem das auch kann.

Flightrecorder heisst das Ding.

Es is nur so, das der nur das sieht was auch sichtbar is.

Wenn der Code ausgelöst wird, gehst du in der Grafik ein paar Frames zurück, und versuchst über den Vergleich der Sensorendatenplausibilität, das auslösende

Ereigniss zu finden.

Bin gespannt obses drauf haben.

Gruss KW


Geschrieben von Q-Flat am 13.01.2015 um 19:54:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

@ Karl: sehr interessant. Ich werde morgen beim Dealer mal nachfragen, ob es so etwas bei Harley gibt. Hört sich genial an.

@ Depressiver: es handelt sich offensichtlich doch um einen sehr seltenen Fall. Habe nirgends etwas darüber in Erfahrung bringen können.

@ Silent: ok, also keine Honda...

@ KW, Nighttrainknox, FLHRCI: ich habe eure Gedanken in die heutigen Verhandlungen einfliessen lassen....

Für mich ist dieses Tagebuch nämlich zunächst einmal abgeschlossen, und zwar in dieser Form...



Heute morgen beim Dealer die Sache (mit allen euren Argumenten) besprochen. Wir sind uns schnell einig geworden. Hab ein wenig draufgezahlt und mir eine 2012er Roadking (o h n e  C a n - B u s) mit nach Hause genommen. Ich freue mich riesig über das neue Bike.

Gruss,

Uwe.


Geschrieben von luiz-alfredo am 13.01.2015 um 20:06:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Das ist natürlich auch eine hübsche Lösung,

Viel Spass damit.

Gruss Jürgen 👏

Die Technik entwickelt sich immer vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.
(Antoine de Saint-Exupéry, französischer Flieger und Schriftsteller)


geklaut vom Heizhörnchen


Geschrieben von sepp am 13.01.2015 um 20:13:

RE: Tagebuch einer CAN-Bus Panne

Hi Uwe

Glückwunsch.

Sehr schönes Moped. Auch die Farbe ist mal was anderes als das triste Schwarz. 😁

Leider werden wir jetzt vermutlich das Ende der Geschichte mit dem CAN-Bus nicht mehr mitbekommen.

Sepp