Eigentlich sollten die Harleys der letzten Jahre ja, dank modernster Can-Bus-Technik, extrem diagnosefreundlich sein, sofern man (d.h. der Freundliche) über modernste Diagnosetechnik verfügt. Dass es durch die Datenvernetzung aber auch manchmal schier unmöglich werden kann, ein Problem klar einzugrenzen, zeigt der Fall einer Panne, die an meiner Switchback (EZ Mai 2013) seit August 2014 auftritt und nun – vielleicht – nach mehreren Wochen/Monaten Werkstattaufenthalt behoben ist. Ich hatte euch zu der Sache schon
hier zu Hilfe gebeten, heute geht es mir um schlichte Dokumentation, vielleicht zum Nutzen anderer.
Genau genommen ist diese Panne eigentlich keine wirkliche Panne, da am Motorrad alles (augenscheinlich) perfekt funktioniert. Nun, es mag sein, dass an der Hardware irgendwo, irgendetwas in labilem Zustand ist. Als Fahrer stellt man aber nur eines fest: verschiedene Kontrollanzeigen spielen verrückt und dazugehörige Fehlercodes werden ausgelöst.
Der in der Tat sehr hilfsbereite Vertragshändler tut alles, was er kann. Aber trotz aller Kompetenz und aller Diagnosetechnik tappt er blind, Schritt für Schritt, im Dunklen voran, wie mir scheint, doch um einiges unsicherer und unbeholfener als zu Zeiten des klassischen Kabelbaums.
07. August 2014:
- Kurz nach einem Lenkerwechsel durch einen anerkannt guten Schrauber gehen mehrere Kontrollleuchten an: rote LED der Wegfahrsperre, Motorkontrollleuchte, ABS-Kontrollleuchte.
- Mehrmals geht der Tacho auf Null.
- Der Drehzahlmesser bleibt auf einer festen Zahl stehen.
Diese Phänomene wiederholen sich in ungleichen Abständen, unabhängig von der Fahrsituation. Keine spürbare Fehlfunktion am Motorrad. Nur einmal gelingt es mir nicht, durch Drehen des Hauptschalters den Motor zu stoppen. Niemand kann sich einen klaren Zusammenhang mit dem Lenkerwechsel vorstellen.
08. August 2014:
Erste Untersuchung beim Harley-Vertragshändler. Auch er schließt einen Fehler beim Umbau des Lenkers aus, vermutet eher, dass der Lenkertausch einen bestehenden Fehler an der Elektrik aufgedeckt habe. Fehlercode U0100 und andere. Die Mechaniker stellen am Kabelbaum (Lenkkopf) eine Reibstelle fest. Sie wird isoliert.
10 August 2014:
Nach 100 km Fahrt tritt die Fehlermeldung wieder auf. Ruhe für 1500 km. Und dann, auf der Autobahn, bei konstantem Tempo und konstanter Drehzahl, ohne jeglichen Stoß, wieder die Kontrollleuchten.
Ende August bis Mitte September 2014:
Der Harley-Händler schlägt mir eine eingehende Prüfung der Maschine vor. Sie bleibt für drei Wochen in der Werkstatt. Ein Teil des Kabelbaums (unter dem Tank) wird ausgetauscht.
02. Oktober 2014:
Nach etwa weiteren 1000 km gehen die die rote LED und die Motorkontrolleuchte erneut an (wieder Autobahn, konstante Drehzahl, ohne merklichen Stoß durch Unebenheit). Ich steuere wieder die Werkstatt an. Immer die gleichen Fehlercodes. Nach dem Auslesen ist für einige Tage Ruhe.
08. Oktober 2014:
Wieder gehen die gleichen Kontrollleuchten an, diesmal bei niedriger Geschwindigkeit. Man kann an den Kabeln ziehen, sie Kneten, sie stauchen. Ein gegebener Zustand „Kontrollleuchten an/Kontrollleuchten aus“ kann darüber nicht verändert werden. Wie immer gehen die Kontrollleuchten nach 2-3 Minuten von selbst aus.
09. Oktober 2014:
Ein kompletter Tag Diagnose beim Freundlichen. Ohne Befund.
11. Oktober 2014:
Während eines dreimonatigen Auslandsaufentaltes überlasse ich das Motorrad dem Vertranghändler für 3 Monate. Er verspricht mir, das
Problem in Zusammenarbeit mit Harley-Frankreich zu analysieren.
10 Januar 2015 (heute):
Nach Rücksprache mit Harley-Frankreich, hat der Vertragshändler nun den ECM, den Hauptschalter und das dazwischen liegende Kabel ausgetauscht. Mal sehen, ob mit diesen Eingriffen das letzte Kapitel dieses CAN-Bus Pannentagebuchs geschrieben wurde.
Alles in allem gibt mir diese Geschichte wieder einmal zu denken. Seit Monaten zerbrechen sich viele kluge, hilfreiche Menschen den Kopf, wegen ein paar Kontrollleuchten (deren Fehlverhalten allerdings beim Wiederverkaufswert des Motorrades sehr ausschlaggebend sein könnte…). Wäre das alles nicht viel einfacher und billiger mit herkömmlicher Technik? Wie auch immer, ich hoffe, mein Fall bleibt ein Einzelfall. Harley-Frankreich hielt sich zu diesem Thema, nach Angaben meines Freundlichen, bedeckt.
Gruss,
Uwe.