Hi,
bekanntlich bin ich über die 2013er Hornet meiner Herzdame, die ich im vergangenen Jahr über knapp 6.000 km bewegt habe, meiner Leidenschaft für Vierzylindermotoren mit (m)einer aktuellen 2014er CB1000R nachgegangen.
Da ich kurz nach dem Kauf der Japanerin meine 2006er FXSTI verkauft hatte, habe ich aus alter Verbundenheit zur Marke HD - immerhin war ich 25 Jahre mit den Mopetten recht zufrieden und ohne Ausfall unterwegs - am vergangenen Wochenende die Probefahrtmöglichkeiten im Rahmen der HD RoadShow wahrgenommen. Stellvertretend für die Modellfamilien habe ich jeweils das Modell gewählt, dass ggf. für einen Kauf in Frage gekommen wäre. So war ich auf einer WideGlide, einer StreetGlide, einer V-Rod Muscle und einer 883R unterwegs.
Leider (?) sagte mir der vibrationsisoliert gelagerte Antrieb der WideGlide nach wie vor nicht zu, da die Aufhängung lediglich den Antrieb mit dem Rahmen verbindet, aber nicht im mindesten die auftretenden Vibrationen isoliert. Im Gegensatz zu meinen früheren, ein paar hundert Umdrehungen oberhalb der Leerlaufdrehzahl sehr geschmeidig arbeitenden Dynas mit TC88 Motor rappeln die nachfolgenden Hubraumgrössen leider noch ärger, als die Late Shovel Motoren vor der EVO Aera.
Der Antrieb der StreetGlide hängt durch andere Aufängungspunkte zwar ein wenig besser vibrationsisoliert im Rahmen, nervte aber dennoch mit argen Vibrationen in den Trittbrettern, dass ich das Gefühl hatte, dass sich mir im Schuh die Strümpfe vom Fuss rollen. So etwas kannte ich vom TC88 in meiner 2000er RoadKing Classic überhaupt nicht. Darüber hinaus - versaut (oder anspruchsvoll geworden ?!.) durch das piekfeine Fahrwerk in meiner R - schaukelte das Fahrwerk der StreetGlide schlimmer als man es den Gummikühen aus bayrisch Berlin nachsagt. E-Gas mag ja dafür ganz gut sein, dass unaufmerksame Zeitgenossen sich keine Bowdenzüge mehr einklemmen können, aber dann müssen auch die Kennlinie für den Drehwiderstand passen und das Übersetzungsverhältnis für das Ansprechverhalten. Hierfür dürfte Harley Davidson ruhig mal einen Lehrgang bei KTM belegen. Wenn Handkraft und Ansprechverhalten danach nur halb so gut ausgelegt sind, ist für HD schon viel gewonnen.
Der Burner V-Rod, den ich mir zu eigenen HD Zeiten gerne mal geliehen habe um etwas potentes unter dem Hintern zu haben, war die reinste Enttäuschung. Teigiges und indifferentes Verhalten der hydraulisch betätigten Kupplung und - im direkten Vergleich zu meiner Japanerin - ein Vortrieb der von der gefühlten Wahrnehmung wenig über den BTs gelegen hat.
Auch die derbe mechanische Geräuschkulisse der vorgenannten Mopetten war für mich jenseits von gut und böse, da ich nach mittlerweile schon fast 5.000 km auf meiner japanischen Nähmaschine von Derartigem völlig entwöhnt bin.
Da ich die hackenden 1200er Sportstermotoren noch gut aus einer früheren Probefahrt mit der 72 in Erinnerung hatte, habe ich bei der Sportsterfamilie die 883R ausgewählt.
Ganz ehrlich?: von allen Probe gefahrenen Mopetten hatte die 883R das harmonischte Gesamtpaket geboten. Kaum mechanische Geräusche, wodurch endlich auch einmal der Auspuffklang an mein Ohr dringen konnte, ein perfekt zu schaltendes Getriebe mit kurzen, knackigen Schaltwegen, gutes Ansprechverhalten und erstaunlich ausreichende Leistungsentfaltung für forciertes Landstrassenfahren. Warum HD für die 883R nicht die gleichen, einstellbaren Fahrwerkskomponenten bereitstellt, wie sie bei der früheren 1200er Roadster verbaut waren, werden wohl nur die autofahrenden Kaufleute von HD wissen.
Interesse habe ich an einer 883R nicht wirklich, dafür bietet sie mir zu wenig für das Technikherz und für das Auge. Noch dazu bei einem Preis, für den schon fast eine aktuelle Monster 821 zu haben ist, die für alle Sinne reichlich bietet und noch mehr.
Letztlich war es angenehm, auf meiner letzten Probefahrt wahrnehmen zu dürfen, dass HD durchaus in der Lage ist, ausgewogene Antriebe zu bauen. Bleibt -zumindest für mich- nur noch zu hoffen, dass sie diese Fähigkeiten auch irgendwann mal wieder auf die BigTwins übertragen. Denn mit den EVOs, über die ich seinerzeit den Einstieg zu HD gefunden habe, und mit den noch komfortabler laufenden TC88 Motoren war ich immer recht zufrieden. Nur, ein Motorrad kauft man sich schliesslich nicht für den Rest des Lebens, und irgendwann muss was Neues her. Und das sollte zumindest alles Vorangegangene (innerhalb der Fahrzeugmarke) zu toppen in der Lage sein.
Aber vielleicht nimmt HD ja nicht nur nach einem Lehrgang für die Ride-by-Wire Technik bei KTM Anleihen, sondern auch bei der Motortechnik von der 1290 SuperDuke R. Mit solchen einem gleichermassen starkem und geschmeidigen Treibsatz wäre ich bei HD sofort wieder dabei.
Und bitte immer dran denken, mein Probefahrtresumee der o.a. aktuellen HDs spiegelt lediglich meine ureigenen Ansprüche wieder, die sich insbesondere durch Jahre EVO sowie TC88 A & B gebildet haben.
Gruß, silent