Habe gerade meinen Artikel ergänzt:
DOT4 durch DOT5 ersetzen
Es gibt immer wieder Benutzer, die das aggressive DOT4 durch das DOT5 Silikonöl ersetzen wollen, wie es bis 2006 in Harleys verbaut wurde. Da die Bestellnummern der Bremsteile sich zwischen 2005 und 2007 nicht geändert hat ist davon auszugehen, dass die verwendeten Dichtungen beide Flüssigkeiten vertragen. Die Messwerte von DOT5 unterscheiden sich nicht von DOT5.1. Wenn man also das DOT4 durch DOT5.1 ersetzen kann, dann sollte das auch mit DOT5 gehen. Hier eine kurze Liste:
Flüssigkeit Siedepunkt trocken @ 0.0% H2O Siedepunkt Wassergesättigt @ 3.7% H2O Viskosität Cp@-40°C
DOT4 230°C 155°C 1500 mm2/s Alkohol
DOT5 260°C 180°C 900 mm2/s Silikonöl
DOT5.1 260°C 180°C 900 mm2/s Glykol
Voraussetzung ist, das man das System durchspült, so das möglichst keine Reste des alten DOT4 übrigbleiben. Bei einer älteren Anlage sollte man überlegen, gleich neue (stahlummantelte) Bremsleitungen zu verbauen. Die mögliche Gefahr, dass die Dichtungen durch DOT4 bereits aufgequollen sind, halte ich bei Harleys für nicht gegeben. Bei Fahrzeugen mit ABS würde ich diesen Tausch auf gar keinen Fall machen. Das ABS System macht regelmässige interne Druck und Widerstandsprüfungen. Die kompressibilität des Silikonöls kann das System zu Fehelrmeldungen bzw zur Abschaltung veranlassen.
Bleibt noch die Frage der Zulassung. Die einzige Referrenz dazu findet sich in einem Artikel des Oldtimer Praxis 1/2009:
"Silikonbasierte Bremsflüssigkeiten nach DOT5 binden Wasser nicht und weisen dem zufolge über einen sehr großen Tamperaturbereich stabilen und hohen Siedepunkt auf. Sie bieten insgesamt auch einen hohen Korrosionsschutz.
Aber: Dringt dennoch Feuchtigkeit ein, sammelt sie sich am tiefsten Punkt des Systems- und die kompressiblen Gasblasen bilden sich in kürzester Zeit.
Silikonöl zeigt auch ein anderes Kompressionsverhalten als Glykole, was zu einem veränderten Bremsdruckpunkt führen kann. Unter Umständen muss nach einem Wechsel auf DOT 5 wegen des anderen Druckpunkts auf Stahlflexschläuche umgerüstet werden. Ähnliche Probleme können sich i Verbindung mit Bremskraftverstärkern oder etwa dem ATE-T-50 Bremsgerät ergeben!
Schlechtere Schmiereigenschaften der Silikonöle sind zudem mindestens für Gleitpaarungen aus Eisenwerkstoffen nachgewiesen und auch für ABS-Anlagen mancher Youngtimer problematisch!
Die in Bremsanlagen eingesetzten Gummimaterialien sind zwar gegen Silikonöl beständig doch liegt die Temperatur-Dauerbelastbarkeit der Materialien in Silikononöl um gut 20 Grad niedriger. In Dauerkontakt mit Glykolflüssigkeit stehende Gummiteile haben diese nach einiger Zeit in sich aufgenommen und könnten sich bei Kontakt mit Silikonöl unvorherrsehbar verhalten!!!!
Es ist daher bei Umrüstungen wichtig, dass alle Gummiteile des Systems ausgetauscht werden!
Nun wird von Skeptikern oft eingeworfen, Silikonflüssigkeit führe zum Verlust der Betriebserlaubnis: Dem ist nicht so!!!
Tatsächlich sind Betriebsstoffe keine Anbauteile im Sinne des KBA und daher auch nicht ABE-pflichtig! Es liegt in der Verantwortung des Halters, sein Fahrzeug und damit die Bremsanlage in optimalem Wartungszustand zu halten!"
Das kann man jetzt glauben oder nicht. Im falle eines Unfalls, wenn eine versagende Bremse eine Rolle spielt, wird der Gutachter die geänderte Bremsflüssigkeit sicher zum Anlass nehmen, die Schuld auf den Harley Besitzer zu wälzen.
Ich halte es persönlich für sinnvoller, von DOT4 auf DOT5.1 zu wechseln. Dann hat man die Vorteile des hohen Siedepunktes, aber trotzdem keinen Hudel mit der Zulassung. Dann muss man halt alle 2 Jahre etwas vorsichtig beim Bremsflüssigkeitswechsel sein, und die übergelaufenen Reste sofort abwischen. Und gut iss...