Hallo allerseits,nachdem das Thema Batteriepflege immer wieder zu Thema wird, gerade zu Beginn der kalten Tage, möchte ich hier mal das Wichtigste übersichtlich darstellen.
Welche Batterietypen haben wir in unseren Mopeds?
Ob der Stromspeicher von Harley-Davidson, Hawker oder Saito ist, es ist immer eine AGM-Bleibatterie. Diese Batterien sind dicht verschlossen, werden aber gegen Platzen bei Missbrauch durch Überdruckventile geschützt. Eventuell entstehende Gase in der Batterie (Wasserstoff und Sauerstoff) können bei geringer Menge und geringem Überdruck innerhalb der Batterie wieder zu Wasser "rekombinieren". Der Elektrolyt Schwefelsäure zwischen den Bleiplatten ist in einem Glasfaservlies aufgesaugt (AGM = Absorbed Glas Matt), wodurch die schädliche Säureschichtung bzw. die zur Durchmischung der Säure nötige Gasung einer herkömmlichen Bleibatterie vermieden wird.
Welche Phasen gibt es beim Laden einer AGM-Bleibatterie (siehe Abbildung)?
Ist eine Batterie um über 20% auf weniger als 80% Restkapazität entladen erfolgt die sogenannte
"Hauptladung" (engl. "bulk charge") mit kräftigem Strom von einigen Ampere, je nach Potenz des Ladegerätes. Ein Strom vom mindestens 0,4 x Kapazität (also 8 A bei einer 19Ah-Batterie) ist in dieser Phase hilfreich für die langfristige Erhaltung der vollen Batteriekapazität, was zwar eine Lichtmaschine nicht aber die gängigen Ladegeräte können. Bei der Hauptladung steigt die Ladespannung stetig an. Das Ende der Hauptladung ist erreicht, wenn die Batterie eine Ladespannung von 14,2 bis 14,8 Volt erreicht hat. Zum Ende der Hauptladung ist die Batterie auf etwa 80% Kapazität aufgeladen und muss von da an vorsichtiger geladen werden um Ausgasung zu verhindern. Die meisten, elektronischen Ladegeräte (Ctek, M+S, Optimate, Saito) mit 1 A bis 2 A maximalem Ladestrom beenden die Hauptladung bei Erreichen einer Spannung von 14,3 bis 14,4 Volt. Der Odyssey-Ultimizer mit 6 A Ladestrom geht bis auf 14,7 Volt.
Die zweite und "vorsichtige" Ladephase von 80% bis 100% Kapazität nennt sich
"Absorptionsladung" (engl. "absorbtion charge") und dauert bei reduziertem Ladestrom wenige Stunden. Wird diese Phase zu lange ausgedehnt, wird die Batterie überladen und beginnt heftig zu gasen. Die Überdruckventile öffnen sich, Wasser geht verloren und die Batterie trocknet aus. Das verlorene Wasser kann bei einer AGM-Batterie nicht mehr nachgefüllt werden. Elektronische Ladegeräte (Ctek, M+S, Odyssey, Optimate, Saito etc.) erkennen deshalb an der Höhe des Ladestroms das Ende der Absorbtionsladung. Das sind 100mA bei Ctek, M+S und Saito, 200mA bei Optimate sowie 400mA beim Odyssey-Ultimizer (höhere Stromgrenze wegen höherer Ladespannung). Achtung: Ist die Batterie schon älter und beim Laden im Motorrad angeschlossen, kann es sein, dass die angegebenen Laderströme wegen parasitärer Stromflüsse nie unterschritten werden und das Ladegerät das Ende der Absorbtionsladung nicht erkennt. Deshalb haben einige Lader noch einen Timer eingebaut, der die Absorbtionsladung nach einigen Stunden unabhängig vom Ladestrom rigoros abschaltet. Odyssey-Ultimizer mit hohem Ladestrom schaltet schon nach 4 Stunden, andere erst nach 24 bis 48 Stunden ab.
Nach Ende der Absorbtionsladung kann die Batterie unbegrenzt mit
Erhaltungsladung" (engl. "float charge") weiter geladen werden. Hier verträgt die AGM-Batterie maximal 13.8 Volt (bei 20°C), die in den Datenblättern der AGM-Batterien (auch Hawker-Odyssey) sowie der Lader von M+S und Saito ausgewiesen sind. Vorsichtiger, mit nur 13,6 Volt, gehen das Odyssey-Ultimizer und das Optimate in die Erhaltungsladung. Achtung: Die Ladespannung muss ausgehend von 13,8 Volt bei höheren Temperaturen als 20°C um 0,4 Volt pro 10° C reduziert werden. Es gibt "temperaturkompensierte" Ladegeräte, die das automatisch machen.
Was hat es mit "Entsulfatierung" und "Batteriepflege" auf sich?
Die "intelligenten" Ladegeräte wollen mit innovativen Ladestrategien ihre Einzigartigkeit unter Beweis stellen. Hierzu zählen insbesondere verschiedene Methoden der zyklischen Ladung/Entladung bei der Hauptladung und der Erhaltungsladung. Dieses mehrfache Laden/Entladen soll auch sulfatierte, also tiefentladene und normalerweise nicht mehr ladbare Batterien "retten". Da eine durch Tiefentladung sulfatierte und mit herkömmlichen Ladegeräten nicht mehr ladbare Batterie nie wieder Leistung bringt, ist der Wert dieser Strategien zweifelhaft. Das Optimate geht mit bis zu 20 Volt an eine sulfatierte Batterie ran, weswegen man dieses Ladegerät nur bei ausgebauter Batterie verwenden sollte. Im Grundsatz arbeiten alle elektronischen Lader aber mit den oben beschriebenen drei Ladephasen, die auch von den Batterieherstellern so empfohlen werden.
Was leisten die billigen, elektronisch geregelten Lader (Preislage 15 bis 20 Euro)?
Diese preiswerten Geräte für die Erhaltungsladung begrenzen die Ladespannung auf die für Erhaltungsladung vorgesehenen 13,8 Volt. Auf eine Absorbtionsladung wird verzichtet. Das Aufladen einer teilentladenen Batterie dauert deshalb sehr lange (bis zu einigen Tagen). Für das Frischhalten einer geladenen Batterie sind sie ohne Probleme einsetzbar. Kritisch ist in dieser Preisklasse allerdings die Präzision, mit der die 13,8 Volt eingehalten werden. Ein bis zwei Zehntel zu viel zerstören die Batterie (eigene Erfahrung mit Louis H-Tronic). Elektronikfreaks lösen das Problem mit dem Lötkolben durch Feinabgleich des integrierten Spannungsteilers.
Was ist das besondere an der Hawker-Batterie?
Die Hawker ist eigentlich eine ganz normale AGM-Bleibatterie und wird auch genau so geladen. Zwei Besonderheiten gibt es aber: Ein hoher Zinn-Gehalt im Gitter der positiven Elektroden bei gleichzeitigem Verzicht auf Calcium als Legierungsbestandteil macht sie besonders widerstandsfähig gegen zerstörerische Gitter-Korrosion bei häufiger Tiefentladung. Außerdem ist sie durch besonders filigrane Gitter und Elektroden auf hohe Startströme bei kompakten Abmessungen gezüchtet. Wer also seinen Big Bore mit einer herkömmlichen AGM-Batterie nicht mehr durchziehen kann, greift zur Hawker.
Wie stelle ich den Ladezustand der Batterie fest?
Das geht über die Messung der Klemmenspannung. Ganz wichtig: Voraussetzung ist, das das Ladegerät seit mindestens 1 Stunde abgeklemmt ist! Zeigt das Voltmeter 12,8 bis 13,0 Volt, ist die Batterie voll. Bei 12,0 Volt ist die Batterie bereits zu 2/3 entladen, hat also nur noch 1/3 Restladung und muss schnellstens geladen werden.